Der Heissluft-Handel ist perfekt

Schulzentrum bezieht ab dem nächsten Herbst Abwärme der Gießerei Heunisch

Zur Unterzeichnung der Verträge über die Wärmelieferung trafen sich (von links) Stadtwerkeleiter Rüdiger Wolf, Bürgermeister Ralf Ledertheil, Wolfgang Heunisch, Dr. Christiane Heunisch-Grotz und Landrat Walter Schneider. Foto: Günter Blank

BAD WINDSHEIM (gb) – Es hat zwar länger gedauert, als zunächst erhofft, doch nun ist der Deal perfekt. Voraussichtlich mit Beginn der Heizperiode im Herbst 2011 wird das Schulzentrum Bad Windsheim mit Abwärme der Gießerei Heunisch beheizt. Der Landkreis bezieht die Wärmeenergie von den Bad Windsheimer Stadtwerken, die gewissermaßen als Warmluft- Dealer in das Geschäft zwischengeschaltet sind.

Damit wird nun jene Idee in die Tat umgesetzt, welche einst Schulzentrums- Hausmeister Thomas Rückert und Jürgen Frank, Leiter der Instandhaltungsabteilung der Firma Heunisch Guss, ausgebrütet hatten. Wie berichtet, kamen Gießereileitung, Stadt und Landkreis schon vor mehr als einem halben Jahr grundsätzlich überein, das Schulzentrum mit einem Teil der beim Schmelzprozess im Kupolofen der Gießerei entstehenden Abwärme zu beheizen. Profitieren werden davon alle Beteiligten, wie Kreiskämmerer Roland Treuheit erklärte. Die Firma Heunisch erhalte einen „Obolus“ für die abgegebene Wärme, der Landkreis erziele Einsparungen bei den Heizkosten und müsse vor allem die altersschwache Heizungsanlage nicht erneuern, und die Stadtwerke verdienen als Zwischenhändler an dem Geschäft. Sie sind auch für die Betriebssicherheit der Anlage verantwortlich.
Die Versorgung der Schulen mit Wärme wird dadurch garantiert, dass die im nächsten Jahr zu verlegenden Wärmeleitungen nicht direkt von der Gießerei ins Schulzentrum führen. Vielmehr wird die Wärme in das System der Stadtwerke eingespeist. Etwaige Ausfallzeiten seitens der Firma Heunisch könnten dadurch überbrückt werden, die Schulen bekämen dann Wärme aus dem Hackschnitzelheizwerk oder der Biogasanlage. Somit werden die Schulgebäude künftig mit Wärme aus drei Quellen gespeist, welche mit regenerativen Rohstoffen arbeiten.
Gewinner des Heißlufthandels ist nicht zuletzt die Umwelt, denn anstatt wie bisher die Abluft in die Luft zu pusten oder per Wasserkühlung zu vernichten, wird nun zumindest ein Teil davon energetisch verwendet und die Schulheizungen laufen, ohne dass zusätzlich Kohlendioxid freigesetzt wird. Nach Berechnungen der in das Projekt involvierten Energieagentur Oberfranken reduziert sich der jährliche CO2-Ausstoß des Schulzentrums um eine Menge, welcher jener entspricht, die ein Mittelklasse-Pkw bei 240 Erdumrundungen freisetzen würde.

Noch viel Luft im Angebot

Die Firma Heunisch würde denn auch gerne mehr Abwärme verkaufen. Rund 40 Prozent ihrer beim Schmelzen produzierten Wärmeenergie setzt die Gießerei in betriebsinternen Verbrauchsstellen ein, nächstes Jahr kommt also das Schulzentrum als erster externer Abnehmer dazu, und dennoch hat die Firma noch jede Menge Warmluft im Angebot. Nicht zuletzt um die Versorgung des Schulzentrums zu gewährleisten, haben sich die Stadtwerke allerdings ein Verwertungs- Vorrecht für die Abwärme der Gießerei gesichert.
Als weitere Abnehmer im Gespräch waren die zwei großen Bad Windsheimer Reha-Kliniken. Entsprechende Bemühungen hätten aber bislang nicht zum gewünschten Erfolg geführt.
Im Gespräch ist aber auch eine Wärmeversorgung des nur einen Steinwurf von der Gießerei in der Hofmannstraße entfernten Bad Windsheimer Ortsteils Külsheim. Sollte es also dazu kommen, dass die Firma Heunisch die Häuser ihrer Nachbarn beheizt, mit denen es immer wieder Auseinandersetzungen wegen der von dem Betrieb ausgehenden Immissionen gab? Wolfgang Heunisch mag das nicht ausschließen. Bei den in der Vergangenheit geführten Diskussionen seien „oft Emotionen dabei gewesen, die man vorher vielleicht besser abgekühlt hätte“. Man wisse sehr wohl, dass die Gießerei ein emittierender Betrieb ist. Andererseits käme die Technik, die letztlich aus dem Zutun der Gießerei entstehe – etwa landwirtschaftliche Schlepper – auch der hiesigen Region zu Gute.
Im Hinblick auf die Standortwahl für die einstige Gießerei Hofmann findet Wolfgang Heunisch es „schade, dass ein gewisser Abstand seinerzeit nicht eingehalten wurde“. In Nordrhein-Westfalen etwa müsse ein derartiger Betrieb mindestens 500 Meter von der Wohnbebauung entfernt sein. Darauf hätten beim Bau der Gießerei offenbar weder die Firma Hofmann, noch die Anwohner, noch die Stadt geachtet.

Bericht in der Windsheimer Zeitung vom 23.12.2010

Heunisch Guss