Hochwertiger Guss dank verbesserter Technik

Die Gießerei Heunisch investiert 2,5 Millionen Euro in einen neuen Elektro-Schmelzofen

Der Abstich am neuen Ofen ist eine heiße Sache, liegt doch der Schmelzpunkt von Eisen bei über 1500 Grad Celsius.
Der Abstich am neuen Ofen ist eine heiße Sache, liegt doch der Schmelzpunkt von Eisen bei über 1500 Grad Celsius.

BAD WINDSHEIM – Die Gießerei Heunisch verfügt seit Kurzem an ihrem Stammsitz in der Kurstadt über einen dritten Elektro-Schmelzofen. Es war eine Frage der Qualität des in dem Betrieb an der Hofmannstraße erzeugten Eisengusses, nicht der Quantität, welche die Geschäftsleitung dazu bewogen hat, den rund zweieinhalb Millionen Euro teuren Ofen anzuschaffen.

Die Ansprüche der Kunden im Fahrzeugbau, für den das Unternehmen zu einem erheblichen Teil als Zulieferer tätig ist, steigen. Immer leichter sollen die produzierten Stücke wie etwa Getriebe- und Differenzialgehäuse sein, um das Gewicht der Fahrzeuge und damit deren Treibstoffverbrauch zu senken – und das bei unverändertem Anforderungsprofil, sagte Geschäftsführer Wolfgang Heunisch, als er den neuen Ofen vorstellte.

Technischer Leiter Dietmar Eckl beschreibt dies am Beispiel von Getriebegehäusen. Hatten diese bislang eine Wandstärke von neun bis zehn Millimetern, so gingen die Wünsche und Forderungen der Kunden nun „in Richtung sechs bis sieben Millimeter“. Entsprechend stiegen die Anforderungen an das Material. Gleiches gelte etwa für Kompressoren oder Kälteverdichter.

Eisenguss in entsprechender Qualität könne im neuen, IT-gesteuerten Elektro-Schmelzofen erzeugt werden. Der Mittelfrequenzofen hat eine Schmelzleistung von bis zu sechs Tonnen pro Stunde. Die beiden bereits vorhandenen Elektro-Schmelzöfen und der koksbeheizte Kupolofen verfügen über eine Schmelzleistung von je acht Tonnen pro Stunde.

„Auch in dem heutigen schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wird bei der Gießerei Heunisch GmbH in die Zukunft geblickt“, umschreiben die zwei Geschäftsführer – Wolfgang Heunisch und seine Tochter Dr. Christiane Heunisch- Grotz – die Ausgangslage, vor deren Hintergrund in den neuen Ofen investiert wurde. Trotz des Einbruches bei der Produktion von Getriebegehäusen für Traktoren, dessen Gründe Wolfgang Heunisch mit den Stichworten Milchkrise und Russland- Embargo umreißt, habe man dank innerbetrieblicher Umschichtungen auch dieses Mal „alle Beschäftigten in Lohn und Brot gehalten“. Im Zweifelsfall werde eine geringere Produktion durch das Instrument der Kurzarbeit ausgeglichen. „Egal, wie es läuft, Entlassungen gibt es nicht. Das ist etwas, worauf sich unsere Mitarbeiter verlassen können“, sagt Wolfgang Heunisch, der seit 1980 an der Spitze des Unternehmens steht.

Ebenso lege man „äußersten Wert darauf, dass wir in Frieden mit unserer Umwelt leben“. So sei auch der neue Elektro-Ofen mit einer modernen Abluftanlage samt kontinuierlicher Staubmessung ausgerüstet und der zugehörige Kamin mit einem Schalldämpfer versehen. Außerdem wurde die Kühltechnik der Ofenanlage so ausgelegt, dass es die Option der Wärmerückgewinnung gibt. Schon heute speist die Gießerei Wärme-Energie in das städtische Nahwärmenetz ein.

Für Dietmar Eckl ist dies ein Thema der Zukunft, werde doch bislang die Abwärmenutzung von Industriebetrieben deutschlandweit vernachlässigt. Allein der neue Elektro- Schmelzofen bei Heunisch erzeuge stündlich eine Abwärmeleistung von rund 1000 Kilowattstunden, rund ein Viertel des durchschnittlichen Jahresverbrauchs privater Haushalte.

Foto und Bericht: Günter Blank

Bad Windsheim im Juli 2016

Heunisch Guss