In beratender Funktion langsam herunterkühlen

Wolfgang Heunisch räumt zum Jahresende den Platz an der Spitze seines Unternehmens

BAD WINDSHEIM – Seit 36 Jahren ist er für die Geschäftsführung der von ihm gegründeten Gießereigruppe verantwortlich, zum Jahresende zieht sich Wolfgang Heunisch aus dieser Position zurück. Der 77-Jährige scheidet als geschäftsführender Gesellschafter aus, bleibt dem Unternehmen aber noch für zwei Jahre in beratender Funktion erhalten. Im Gespräch mit der WZ beleuchtet Heunisch schlaglichtartig Interessantes aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – das Unternehmen wie ihn selbst betreffend.

Wie berichtet, gab Wolfgang Heunisch seine Entscheidung für den Ausstieg beim Betriebsfest Anfang Oktober bekannt. Zugleich stellte er Christian Gerhäuser vor, der sich derzeit in die Geschäftsleitung einarbeitet. Der 41-Jährige wird künftig mit Dr. Christiane Heunisch-Grotz, die dem Unternehmen seit 19 Jahren angehört und seit mehr als zehn Jahren mit ihrem Vater die Geschäftsleitung bildet, an der Spitze des Konzerns stehen

Wolfgang Heunisch, gelernter Former und diplomierter Gießerei-Ingenieur in Personalunion, zieht sich in einer wirtschaftlich schwierigen Phase von der Spitze des gleichwohl gesunden Unternehmens zurück. Das laufende ist „das fünfte Jahr in Folge, wo es abwärts geht, das habe ich noch nicht erlebt“, sagt Heunisch.

Doch das Unternehmen hat schon andere Krisen durchlaufen – und überstanden. „Die Weltwirtschaftskrise 2009 war für uns ganz schlimm“, sagt Heunisch. Allein am Produktionsort Bad Windsheim war das Auftragsvolumen seinerzeit gegenüber 2008 um 52 Prozent zurückgegangen, es war dies „das zweite Jahr in der Firmengeschichte, in dem wir rote Zahlen schrieben“. Der Gesamtkonzern machte damals rund sechs Millionen Euro Verlust – „dennoch haben wir keine fremde Hilfe gebraucht, weil wir so stark waren“.

2010 und 2011 sei es dann auch wieder aufwärts gegangen, wie es überhaupt viele Jahre lang üblich gewesen sei mit dem Konjunkturverlauf – mal rauf, mal runter. Der aktuell bereits fünf Jahre währende Abwärtstrend sei in dieser Konstanz dagegen neu; Heunisch sieht den Grund darin, dass es seit 2011 mit dem weltweiten Maschinenbau und damit auch mit den Zulieferern bergab geht.

Abermals in die roten Zahlen gebracht hat dieser Trend den Heunisch- Konzern freilich nicht. Ganz im Gegenteil, das Unternehmen steht, auch und gerade im brancheninternen Vergleich, hervorragend da. Laut einer Studie des Industrie-Analysten Plimsoll gehört die Bad Windsheimer Gießerei Heunisch GmbH „zu den besten Unternehmen in der deutschen Eisen- und Nichteisen-Metallgießereien- Industrie“. Unter den 340 Unternehmen der Branche, welche etwa 90 Prozent des Marktes kontrollieren, liegt Heunisch auf Rang 17 und damit unter den besten fünf Prozent. 125 Unternehmen befinden sich demnach „in großen finanziellen Schwierigkeiten“, 91 in der Verlustzone. Die Studie basiert auf den Bilanzsummen der vergangenen vier Jahre.

So ist denn Heunisch bezüglich der Zukunft seines Unternehmens nicht bange. „Wir stehen nach wie vor finanziell auf festen Füßen, wir sind gesund“, sagt er und will damit auch den Mitarbeitern der Stammbelegschaft deutlich machen, dass deren Arbeitsplätze gesichert sind – auch wenn alles dafür spreche, dass es für die Branche in den kommenden Jahren „nochmal schlechter wird“.

Wolfgang Heunisch sieht sein Haus mit den rund 1200 Mitarbeitern an den Standorten Bad Windsheim, Steinach (Thüringen), Brünn und Asch (beide Tschechien) gut bestellt. „Sollte mir mal was passieren, habe ich das gute Gefühl, das technische und kaufmännische Personal kann das Unternehmen gut führen, ich brauche mir keine Sorgen zu machen.“ Der zum Jahreswechsel anstehende Rückzug auf die Position des Teilzeit-Beraters sei denn auch „mittlerweile kein Problem mehr für mich, doch das wäre es vor fünf Jahren schon noch gewesen“. Seit zehn Jahren sei er dabei, Verantwortung zu übertragen sowie Wissen, Können und Erfahrung zu übergeben – allen voran an seine Tochter Dr. Christiane Heunisch-Grotz und an den ebenfalls seit knapp 20 Jahren im Unternehmen tätigen Dietmar Eckl, der in den vergangenen Jahren „ein erstklassiger Technischer Leiter geworden“ sei.

„Der normale geschäftliche Alltag ist schon jetzt nicht mehr meine Sache“, sagt Heunisch. Er kümmert sich um ausgewählte Projekte wie etwa die zunehmende Automatisierung. So lässt er es auch unwidersprochen zu, dass die zwei bereits in der Putzerei eingesetzten Roboter als „seine Babys“ bezeichnet werden. Diese in Kooperation mit dem Hersteller entwickelten Roboterzentren gebe es „in dieser Kombination weltweit nicht noch ein Mal“, zitiert Wolfgang Heunisch den Hersteller. Ein dritter sechsarmiger Knickarm-Roboter soll in Kürze folgen.

Ohnehin investiert das Unternehmen weiter. Jüngstes Beispiel war der dritte Elektro-Schmelzofen, mit dem die Qualität des in Bad Windsheim erzeugten Eisengusses weiter erhöht, die Bandbreite vergrößert wird.

Im Jahr 1980 hatte Wolfgang Heunisch aus der Konkursmasse der Maschinenfabrik Schmotzer deren Gießerei mit ihren rund 130 Mitarbeitern übernommen, welche er zuvor geleitet hatte. Mit Unterstützung der Mitgesellschafter Gerhard Gerhäuser und Alois Zimmermann gründete er die Gießerei Heunisch GmbH. Bereits vier Jahre später folgte die Übernahme der Bad Windsheimer Gießerei Hofmann, heute der Hauptproduktionsstandort in der Kurstadt. Hinzu kamen in den Jahren 1992 bis 2006 die Gießereien in Tschechien und Thüringen.

Hunderte von Samstagen und Sonntagen habe er nach der Unternehmensgründung 1980 in der Firma verbracht, erinnert sich Heunisch. Es gab viel zu tun, um die Schmotzer- Gießerei in ein modernes Unternehmen umzubauen. „Die hatten ja noch nicht mal eine gescheite Buchhaltung, geschweige denn ein gesichertes Kalkulationswesen“, erinnert sich Wolfgang Heunisch. Nach der Übernahme der Gießerei Hofmann ging es so weiter. In den ersten eineinhalb Jahren habe er 72 Wertanalysen veranlasst, diese kalkulatorisch begleiten lassen und Mitarbeiter aus allen Bereichen darin einbezogen. Jede dieser Einzelmaßnahmen habe Kostenreduzierungen um bis zu 50 Prozent erbracht. Das Resultat beschreibt Wolfgang Heunisch kurz und bündig: „Nach eineinhalb Jahren waren wir in der Gewinnzone.“

In dieser ist das Unternehmen, von temporären Ausnahmen abgesehen, bis heute geblieben, auch wenn der Konzernumsatz von 2009 bis 2015 um rund 25 Prozent auf zuletzt 124 Millionen Euro zurückgegangen ist. Der am Standort Bad Windsheim erwirtschaftete Umsatz sank im genannten Zeitraum von 98 auf 77 Millionen Euro. Eines steht für Heunisch gleichwohl außer Frage: „Wir investieren weiter, damit wir modern, zeitgerecht und leistungsgerecht bleiben.“

66 Tage noch, dann ist Heunisch nicht mehr der Chef der von ihm aufgebauten Gießerei-Gruppe. Das mögliche Mehr an Freizeit will er nutzen – um häufig vernachlässigte Hobbies wie Golf und Schach spielen, Lesen und Briefmarken sortieren zu frönen, oder aber Reisen mit seiner Gattin Hannelore zu unternehmen. Und dann ist da ja noch besagte Beratertätigkeit. Auch wenn Heunisch mit Blick aus seinem privaten Arbeitszimmer sagt: „Ich habe nicht die Absicht, da drüben jeden Tag aufzutauchen.“ Und noch eine Gewissheit formuliert er für sich, nach nunmehr 36 Jahren an der Spitze des Unternehmens: „Ich bin der festen Überzeugung, dass ich die Beraterzeit gut überstehen und dann aussteigen werde – endgültig.“

Foto und Bericht: Günter Blank

Bericht in der Windsheimer Zeitung vom 27.10.2016

Heunisch Guss